Mr. Hayabusa
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Asterix im Motorradwald

Mr. Hayabusas abenteuerliche Reise ins Schwobeländle
von Michael Busch

Wir befinden uns im Jahre 2009 n. Chr.
Ganz Deutschland ist von Yuppie-Partyveranstaltern besetzt. Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Motorradfreunden bevölkertes Fleckchen hört nicht auf, den Spaßverderbern Widerstand zu leisten.

Im schönen Schwäbischen Wald, hoch oben, wo sich Oberbrüden, Unterbrüden, Lippoldsweiler und Ebersberg vereinen zur Gemeinde Auenwald – da liegt das 40-Seelen-Örtchen Trailhof - www.mc-tralhof.de. Hierhin hat es sich zurückgezogen, das wehrhafte aber friedliche Völkchen mit seinen Stahlrossen, um zu feiern wie es einst Sitte war. Mit einem großen Feuer, Speis' und Trank für jedermann und Musik, die noch mit der Hand gemacht wird.

Du, Reisender, fürchte dich nicht vor den 18% Steigung, mühsam zu erklimmen mit dem großen Wagen, wenn rechts und links die Straße ausgeht und du jederzeit damit rechnest, dass nun gleich das Schild "Ende!" kommt.
Treib an deine Rosse, vorwärts heißt es, zurück geht's nicht. Und wenn du stark bleibst und dich nicht aufhalten lässt von Berg und Graben – dann wirst du ihn erblicken: Häuptling Uli, der dir entgegen kommt um Dir Geleit zu geben zur heiligen Stätte.
 
Der Leser und vor allem die Herren Uderzo und Gocinny (Schöpfer von "Asterix & Obelix") mögen mir verzeihen – angesichts der Erlebnisse beim diesjährigen Motorradtreffen des MC Trailhof war die Versuchung zu groß, mich ein wenig am Stil des genialen Cartoons zu bedienen, dessen Geschichte sich um eine Handvoll Gallier und ihren liebenswert-heldenhaften Kampf gegen die römischen Besatzer dreht.
Denn als ich im "Gefolge" von Profirennfahrer "Mr. Hayabusa" - Elmar Geulen die Gemeinde Auenwald erreichte, um der Einladung des MC Trailhof zu dessen alle zwei Jahre stattfindenden Motorradtreffen zu folgen, da war alles ein bisschen so als würden wir im fiktiven Dörfchen Kleinbonum, dem Wohnsitz von Asterix und Obelix ankommen.

Die letzten Kilometer des Weges waren gelinde gesagt abenteuerlich und beschwerlich. Zwar ist das Tourmobil von "Mr. Hayabusa" eigentlich ein Kraftprotz (Neoplan Skyliner Nightliner mit V-10-18, 2 Liter-Motor, der 380 Pferdestärken mobilisiert). Doch mit 2 Etagen Schlaf- und Wohnkomfort für ein ganzes Rennteam, als Gespann mit Tandemanhänger für 3 Rennmaschinen, Fahrerlager-Bike und Segway bringt es an die 24 Tonnen auf die Waage. Bei 18 Metern Länge und einer Höhe von 4 Metern.
Und um Missverständnissen vorzubeugen: Die eingangs erwähnten 18 % Steigung sind nicht erfunden, sondern waren für Fahrer und Neoplan schweißtreibende Realität. Auf Straßen, die mit zunehmender Höhenlage so eng wurden, dass wir ernsthaft fürchten mussten, mit unserem Tross steckenzubleiben bzw. uns unfreiwillig  rückwärts der Hangabtriebskraft hingeben zu müssen.
Für "Mr. Hayabusa" Elmar Geulen am Steuer glich diese Anfahrt auf den letzten Kilometern einem Blindflug – nicht wissend wann einer der zahlreichen tiefhängenden Äste die obere Etage "abräumt". Und was hinter der nächsten Kurve für eine Gefahr lauern könnte. Wer hier die Verkehrsschilder "Für LKW über 7,5 Tonnen verboten" aufgestellt hat wusste genau warum.

Doch für alles wurden wir entschädigt, als wir den Festort erreichten. Wie ein kleines Feldlager, auf einer großen Wiese errichtet und von Wald umgeben – so einladend und idyllisch, als wollte es sagen: Komm her und lass dich nieder für ein Wochenende; lass uns feiern wie es sich gehört. Vergiss einmal die große Stadt mit ihren feinen Partys, teuren Drinks und verbiesterten Türstehern.
Und so beschwerlich Mutter Natur den steilen, engen Anfahrweg gestaltet hatte, so klar und eindeutig war er beschildert. Von der Autobahnausfahrt bis zum etliche Kilometer entfernten Festplatz sahen wir an jeder noch so winzigen Kreuzung oder Abzweigung die eindeutigen Hinweispfeile: MC Trailhof. Bestens organisiert, wie übrigens alles an diesem Motorradtreffen.
Dahinter steckte Uli, der uns nun am Ende des langen Weges voller Freude entgegensprang. Der ist zwar nicht Häuptling, sondern 1. Vorstand des MC Trailhof e.V. und heißt mit bürgerlichem Namen Ulrich Schulz. Er hat auch keine Angst, dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt – allerdings: Eine kleine Spur Sorge galt schon der leichten Wolkenbildung. Denn der einzige natürliche Feind dieses schönen Festes so mitten in der freien Natur wäre Regen.

Uli aber hatte erstmal anderes zu tun: "Mr. Hayabusa" begrüßen, den Elmar aus dem fernen Euskirchen bei Köln. Wie lange sich die beiden kennen und was sie schon gemeinsam erlebt haben in all den Jahren zwischen Motorsport, Abenteuer und – nun ja, auch einer Menge Party – das alles wurde in ihrer herzlichen Umarmung konzentriert, die auch ein wenig von einem spaßhaften Ringkampf zwischen Asterix und Obelix hatte.
Nach und nach kommen alle dazu – die Jungs aus Ulis Truppe. Man kennt sich, auch wenn man sich so selten trifft heutzutage. Schulterklopfen, Händedrücken – "Mensch, wie lange ist das alles her?!"

Gottweiswo hat man sich getroffen an den internationalen Rennstrecken, bis hin zur "Isle of Man", jener Insel in der Irischen See, wo alljährlich das härteste Motorradrennen der Welt zelebriert wird. Hat über die Jahre gezeigt, was man für ein Kerl ist und bewiesen, dass Freundschaft etwas zählt, auch wenn man sich nicht jeden Tag sieht. Das alles sollte nun nochmal gefeiert werden. "Komm, trinken wir erstmal ein Schlückchen zur Begrüßung – so jung kommen wir nicht mehr zusammen!"

Ich schaue mich um auf der großen Waldwiese, die nun für 3 Tage unser Zuhause sein wird, und stelle fest: So bodenständig und rustikal hier alles wirkt: es ist hochprofessionell gemacht. Das Festzelt ist modern und stabil; die Bühne für die Bands braucht den Vergleich mit organisierten Musikfestivals nicht zu scheuen – und was hier an mobiler Gastronomie aufgefahren ist kann sich sehen lassen. Küchentechnik wie in einem Restaurant. Hinter den langen Theken gibt es leckere Sachen aus Grill und Pfanne, und genug zu trinken damit es auch richtig "rutscht". Dargeboten von hübschen, freundlichen Bedienungen. Eines weiß ich schon jetzt: Das wird ein gutes Wochenende.

Während wir uns häuslich niederlassen und unser mobiles Quartier aufschlagen wird immer klarer, was sich schon vorher andeutete. Die Damen und Herren vom MC Trailhof sind talentierte Organisatoren. Im wahrsten Sinne des Wortes "auf der grünen Wiese" haben sie einen perfekt funktionierenden Veranstaltungsort aus dem Boden gestampft, an dem sich große Open-Air-Veranstalter ein Beispiel nehmen können.

Da wollen wir in nichts nachstehen und fahren alles auf, was wir ansonsten bei unseren Messen und Topevents zeigen.
Die Rennmaschinen werden in Reih' und Glied aufgestellt und von Mechaniker Daniel auf Hochglanz gebracht.
Schlagartig ist es für "Mr. Hayabusa" Elmar Geulen erstmal vorbei mit der Ruhe. Schnell versammeln sich Fans und Schaulustige; das schnellste (straßenzugelassene) Motorrad der Welt bekommt man eben nicht alle Tage live zu sehen.
400 PS mobilisiert die MAB-Turbo-Suzuki Hayabusa am Hinterrad - das flößt selbst hartgesottenen Bikern Respekt und Bewunderung ein. Aber auch die LKM-Hayabusa mit 1500 ccm und 225 PS (von Elmar Geulen im professionellen Rennbetrieb eingesetzt) und das aktuelle Modell in der Straßenversion, das Elmar von Suzuki International Europe als "Dienstmotorrad" zur Verfügung gestellt wird, verfehlen ihre Wirkung nicht. Das Publikum hier in Trailhof ist sachkundig, und so kommt manches interessante Gespräch zustande.

Am Abend dann zieht es alle ins Festzelt, da wollen auch wir nicht abseits bleiben. Uli und seine Crew sind allzeit besorgt um unser leibliches Wohl und lassen nicht zu, dass wir auch nur einen Schluck Bier oder ein einziges Steak selbst bezahlen.
Uns schmeckt es, und wieder stellt es sich ein, dieses schöne Gefühl, weitab von Stadtrummel und Alltag gemütlich zu feiern. Kommt dort nicht doch Obelix mit einem Wildschwein auf dem Rücken ans Feuer? Das nicht, aber als uns Uli flüstert, dass um 21.00 Uhr die Bar eröffnet wird (nebenan im separaten Zeltbau), gehen wir hinüber und erfahren etwas, das die Trailhofer mit den Galliern aus den Asterix-Geschichten gemeinsam haben: Einen Zaubertrank! Der heißt hier "Kurvenwasser", und seine Rezeptur wird streng geheim gehalten. Magische Kräfte habe er, so sagt man uns. Und "Vorsicht – er schmeckt unglaublich gut, aber morgen früh ..!"
Überredet. Sowieso haben wir keine Chance, uns einem beginnenden Umtrunk zu entziehen, denn jeder hier will mit "Mr. Hayabusa" anstoßen.
Ist es das Kurvenwasser, oder ist das Leben heute wirklich besonders schön? Ich schwatze wie ein Waschweib mit allen und jedem und habe selten so viel und so herzlich gelacht. Obwohl ich hier alle erst seit einigen Stunden kenne komme ich mir vor wie zu Hause.
Das Kurvenwasser ist wirklich lecker, schmeckt frisch-fruchtig und harmlos, zeigt aber umgehend Wirkung. Leslie zwinkert von der Bar zu uns herüber – na komm, noch einen! Was kostet die Welt? ...

Am nächsten Morgen bin ich von großer Dankbarkeit erfüllt. Irgendwann letzte Nacht hatte Elmar die Vernunftsbremse gezogen (nach dem wievielten Kurvenwasser wird nicht verraten), und so geht es uns heute allen gut. Putzmunter machen wir uns an ein kräftiges Frühstück – dann wartet Arbeit auf uns. Die Kids vom Motocross-Nachwuchs des MC Trailhof kommen vorbei.
Sie sind der Stolz des Clubs, der  sich verantwortungsbewusst und kompetent darum bemüht, den jüngsten Mitgliedern Wege in eine motorsportliche Zukunft zu ebnen.  Die Autogramm- und Plauderstunde mit "Mr. Hayabusa", dessen Karriere mit dem vierfachen Gewinn des Titels "Deutscher Meister im Motocross" begonnen hatte, wird zum Riesenerlebnis. Heute, sieben Weltmeistertitel und unzählige nationale und internationale Straßenrennen später, schlägt Elmars Herz immer noch für diese Sportart. Geduldig lässt er sich von den Jungen und Mädchen ein Loch in den Bauch fragen und geizt nicht mit guten Ratschlägen.

Das wir uns auf einem Motorrad-Treffen befanden war weder zu übersehen noch zu überhören. Lautstark wurden den Göttern Rauchopfer auf dem hölzern beplankten Burnout-Altar dargebracht, den Zweiradrittern vergolten es die Veranstalter mit einem guten Gläschen Branntwein.

Es ist allen Ecken zu hören: Wird es eine Show von "Mr. Hayabusa" geben? Der ist ein wenig in Schwierigkeiten, denn unter den örtlichen Gegebenheiten auf den Waldwiesen und unbefestigten Wegen kann er seine "Rennpferde" nicht vom Zügel lassen. Doch die anwesenden Fans, die alten und neuen Freunde hier sollen auch nicht enttäuscht werden. Burnouts im Stehen kommen für den Weltmeister nicht in Frage, und so sperren die Veranstalter kurzerhand die mehrere Hundert Meter lange, geschlungene Straße vom Veranstaltungsort bis hoch zum Ortseingang ab. Dort brennt "Mr. Hayabusa" im Nonstop-Burnout seine Spur in den Asphalt, die man noch lange sehen wird.

Gegen Abend zeigte dieser Samstag, dass noch mehr Feierlustige den Weg nach Trailhof gefunden hatten als am Tag zuvor. Wieder waren wir überrascht, als wir aus dem "Hotel Neoplan" traten, wohin wir uns am späten Nachmittag für ein Plauderstündchen mit Gästen und Freunden zurückgezogen hatten. Nun – in der Abenddämmerung hatte sich der Festplatz mit Hunderten von Besuchern gefüllt, die in bester Feierlaune einen quicklebendigen Kontrast zum etwas beschaulicheren Nachmittagsprogramm bildeten.

Viel zu schnell war das schöne Wochenende vorbei; hieß es Abschiednehmen von Uli und all den anderen. Am Sonntagmittag hatte uns der Ernst des Lebens wieder – spätestens als es für "Mr. Hayabusa" hieß: 18% Steigung! Diesmal abwärts.

Was bleibt sind eine Menge toller Erinnerungen. Und die Gewissheit eine so schöne Veranstaltung so schnell nicht wieder zu erleben.

 

 

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http://www.mr-hayabusa.de - aktualisiert am: 21. April 2017 - IMPRESSUM - KONTAKT - SITEMAP