Mr. Hayabusa
Facebook-Fan werden

Bericht & Bilder vom 59. Bremerhavener Fischereihafen-Rennen 2016

Der Himmel grollte

Es war so schön- Donnerstags vor dem Rennen in Bremerhaven- man konnte im Fischereihafen bei 25 Grad wirklich sonnen; doch die Wettervorhersage diagnostizierte für die nächsten Tage Sturm, Regen & Graupelschauer in biblischen Ausmaß.

Die Temperaturen fielen auf 9 Grad und wir Rennfahrer wussten nicht, ob Regenreifen oder doch Slicks die richtige Wahl bei dem freien Training Sonntagvormittag war, denn der Wind ließ die Strecke in Windeseile abtrocknen. Ich entschied mich für das Regenmotorrad und lag mit dieser Entscheidung so was von falsch.

Das erste Zeittraining war so im Prinzip mein erstes richtiges Rollout. Doch ich fühlte mich auf dem Motorrad nicht zuhause und ging somit nicht mit Gewalt auf die Zeitenjagd.

Mein Nacken macht mir diese Jahr durch den dreifachen Genickbruck enorm zu schaffen- es vergeht fast kein Tag, an dem ich keine Schmerzmittel nehmen muss. Deshalb habe ich auch in der Woche vor Bremerhaven mit meinem Lebensretter Dr. Marin Theis vom St. Willibrord Spital Emmerich-Rees telefoniert und ich werde nach Bremerhaven kurzfristig wieder zwei Tage nach Emmerich ins Krankenhaus gehen, damit der aktuelle Ist- Zustand analysiert wird, denn meine Kopf- Drehbewegungsmöglichkeit hat sich drastisch verschlechtert.

Somit fand sich Mr. Hayabusa auf Platz 25 wieder; das war bitter, aber ich wusste genau, wo ich im 2. Zeittraining mit vollem Einsatz noch 3-4 Sekunden holen würde. Mein Mechaniker Lars wusste, dass ich bei so einer Einschätzung in den letzten Jahren immer realistisch war.

Doch das zweite Zeittraining wurde in der 4. Runde abgebrochen, nachdem drei Fahrer Ende Start & Ziel miteinander kollidiert waren. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich erst eine Sekunde verbessern können, da ich keine freie Runde hatte, will ich immer auf Vordermänner auflief. Platz 24 stand somit fest- 6. Startreihe für Mr. Hayabusa.

Ich diskutierte mit Lars über meine Startvorhaben, mein Startplatz war rechts außen. Ich wollte aber beim Start richtig Plätze gut machen, aber auf keinen Fall ganz rechts aussen oder links aussen vorbeifahren, da die Gefahr bestand vom Konkurrenten in die Strohballen abgedrängt zu werden.

Da war es mir lieber beim Start gegebenenfalls „im Fluss“ mit einem Fahrer sich zu berühren…

Doch es kam alles anders:

Beim Start lief das Bike schon nicht zu 100 % richtig und es ging aus- der worst case.

Am Mittag hatte sich aus demselben Grund ein Massenunfall in einer anderen Klasse ereignet, weil einem Fahrerkollegen das Bike ebenfalls beim Start ausging und die nachfolgenden Fahrer ihn überfuhren. Alle Beteiligten wurden sofort ärztlich bestens versorgt, jedoch waren die Verletzungen bei einem der Verunglückten so schwer, dass er nachmittags im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Mein ganzes Mitgefühl gilt der Familie des Verstorbenen.

Deshalb war auch schon der erste Rennlauf für meine Klasse 1 abgesagt worden und jetzt so ein Scheiss…

Die letzten Fahrer waren schon die Startgerade runter verschwunden, als dann doch noch mein Bike ansprang und ich dem Feld mit „Schaum vor dem Mund“ hinterher hetzte.

Jedes Überholmanöver auf diesem engen Kurs ist eine Harakiri Aktion, bei der alles passieren kann.

Ich schnappte mir trotz spuckenden Motor fast jeder Runde zwei Gegner und war schon auf Platz 15, als das Bike gar nicht mehr Gas annahm und ich die Hand heben und aufgeben musste.

Der Streckensprecher hatte übers Mikrophon mich als „wahren Sportsmann“ mit meiner Aufholjagd gelobt, aber dann kam es doch zum DNF (=did not finish)

Ich gratuliere meinem Kollegen Thilo Günter zu seinem herausragenden Sieg – ihn kann ich definitiv nicht mehr halten. Thilo schwebt in seiner eigenen Liga.

Ich habe 3x die Fishtown Open gewonnen:
Das erste Mal im Jahre 1983 – mit einem Zweitakter – einer SUZUKI RG B – es war die EX- Reinhild Roth DM Maschine vom Nava -Kucera- Racing Team. Damit bin ich der älteste, noch aktive Sieger in der Fishtown-Open und aktuell mit 59 Jahren auch der älteste Teilnehmer in dieser Topklasse.

2003 bin ich dann wieder nach Bremerhaven zurückgekehrt- erstmals mit der LKM Suzuki Hayabusa und stand nach 20 Jahren Abstinenz als Dritter direkt wieder auf dem Treppchen.
Gesiegt habe ich mit der LKM Hayabusa 2006 und 2008.

Schon vor diesem denkwürdigen WE hatte ich beschlossen, im Jahre 2017 beim 60. Bremerhavener Fischereihafen- Rennen – übrigens werde ich dann auch 60 Jahre alt- dort das letzte Mal in der Top- Klasse- der Klasse 1 an den Start zu gehen.

Mein Körper lässt es nicht mehr zu auch nur an einen weiteren Sieg zu denken.
So werde ich mich 2017 endgültig von meinen Bremerhavener Fans in Würde verabschieden.

Das heißt jedoch nicht, dass Mr. Hayabusa sich nicht mehr auf`s Motorrad setzt.
Nur in Bremerhaven wird man ihn nicht mehr starten sehen…

Ihr könnt jedoch auf weitere Speedaktionen gefasst sein -
es sollen noch weitere Weltrekorde bei Mr. Hayabusa purzeln…

[zurück zur Übersicht]


http://www.mr-hayabusa.de - aktualisiert am: 21. April 2017 - IMPRESSUM - KONTAKT - SITEMAP